850 Jahre Ersterwähnung des Namens Beselich
 

850 Jahre Beselich

Auch wenn die Gemeinde Beselich erst seit dem 31.12.1970 besteht, konnte sie dennoch im Jahr 2006 den 850. Geburtstag ihres Namens feiern.

Die Dotationsurkunde des Klosters Walsdorf (zwischen Bad Camberg und Idstein) aus dem Jahre 1156, ausgestellt vom Mainzer Erzbischof Arnold, ist faktisch die Geburtsurkunde von Beselich, in welcher Gottfried von Beselich erstmals seine urkundliche Erwähnung findet!
Eb. Arnold von Mainz bekundet - da er verpflichtet ist, allen denen wohlzutun, die durch vertrauten Umgang oder Gunst der örtlichen Lage ihm verbunden sind, an ihm Rückhalt finden oder unter Verachtung  der Welt in Klöstern leben und um Gottes willen freiwillig Armut tragen, und da es ein Gunstbeweis ist, wenn in einem obrigkeitlichen Testament erklärt wird, wie eine solche Kirche ausgestattet und was ihr von Gläubigen übergeben ist (Sanctum et salutare divine pagine elogium nos instruit et ammonet ad omens quidem bene operari, maxime autem ad domesticos lidei et ad eos, qui nobis familiaritate seu locorum oportunitate coniuncti sunt et qui ad nos respectum habere dinoscuntur necnon ad eos, qui mundum cum flore suo spernentes communi vita in cenobiis degunt et voluntariam pro deo sustinent paupertatem. Magnum siquidem caritatis  beneficium illis impenditur, dum, qualiter  ecclesie eorum fundate sint et quod ipsis a fidelibus contraditum sit, veraci et auctorabili testamento declaratur) -, daß Gottfried, ein frommer und eifriger Priester (sacerdos religiosus in verbo dei et opere studiosus et devotus), durch seine heilige, unablässige Predigt die Einwohnerschaft (populum) des Dorfes Walsdorf (Walesdorff) so gewann und zum Überirdischen (ad superna) erhob, daß sie einen wüsten (solitarium) Ort beim Dorf, der ihr gemeinsam gehörte, auch Walsdorf genannt, dem Priester mit der Bestimmung übereignete, daß er ihn dem Gottesdienste weihe. Der Priester richtete daraufhin mit Vollmacht und Einwilligung der Diözesanoberen (illius dioceseos prelatorum) dort durch Mönche (per) fratres monachici ordinis) einen Gottesdienst (servicium dei) ein. Danach (Postmodum) kamen der Priester, die Mönche und die Dorfbewohner nach Mainz und übergaben mit gesamter Hand dem Mz. Domstift (beato Martino) den Ort dergestalt, daß derselbe zum Zeichen der Unterwerfung und Ehrerbietung jl. dem Domstift (ad altare beati Martini) eine Goldmünze (aureum nummum) oder stattdessen 12 Silbermünzen zahlen soll. Als an dem Ort der Gottesdienst wuchs (Crescente [. . .] religione et cultu divino), begann auch die Verehrung des Ortes durch das Volk zuzunehmen, so daß den dort weilenden Mönchen (fratribus) durch Grundbesitz wie auch durch beweg­liche Güter Unterhalt gewährt wurde. Die Einwohnerschaft des Dorfes Würges schenkte aus ihrem gemeinsamen Besitz (de communi predio suo) zu Eberbach, Mark (marcka) genannt, der neuen Pflanzung in Walsdorf 10 Hufen und über­gab diese durch die Hände derer, die rechtens dabei zugegen zu sein hatten. Ferner gehören zu dem Ort durch Kauf oder Schenkung: 4 Hufen in Steinfisch­bach (in Visch-) und 30 Hufen in Mauloff (Mulefo). Dies soll, da es dem Ausst. als wahr bekannt ist, für immer in Geltung bleiben. - Der Ausst. drückt sein Sg. auf und bestätigt es, soweit es ihm von Rechts wegen zusteht, indem er zugleich anordnet, daß der Ort keinen Vogt haben, sondern allein durch den Eb. von Mainz nach grundherrlichem Recht geleitet werden soll (secundum ius fundi regeretur et ordinaretur). - Zeugen: Hartmann, Dompropst; Hertwin, Dekan; Wilhelm, Scholaster; Hugo, Kantor; Sigelohus, Kämmerer; Heinrich, Abt von St. Alban; Baldemar, Abt von Bleidenstadt; Gottfried, Abt von St. Jakob; Hildelin, Abt von Schönau (Sconawiga); Gottfried von Beselich; Gernot, Pastor von Camberg (Kamberch); an Kaplänen: Baldewin, Rudolf, Dragebodo; an Laien: Graf Emecho, Guntram von Hattstein (Hazechen-), Eppo von Seelbach; Helfrich, Mz. Vitztum; Werner, Truchseß (dapiser); Konrad, Mundschenk (pincerna); Hertwich und Godebolt, Marschälle; Udelbert und dessen Bruder Boemund, Dietrich von Würges (Widerchiß) und dessen Söhne Konrad und Kraft), Hupertus, Heinrich von Reichenbach (Ri-) und viele andere. - Diese Bestätigung (hoc nostrum testamentum et hec nostra confirmacio) geschahen 1156, in der 3. Indiktion, unter der Regierung des glorreichen König Friedrichs I.  - Kop. Pap. (Ende 15. Jh. = A) W 93,1.“ (Kopie Papier (Ende 15. Jahrhunderts = A): Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden 93,1).

Somit findet in dieser Bestätigungsurkunde oder Gründungsurkunde des Klosters Walsdorf  auch der Name „Beselich“ seine erste urkundliche Erwähnung.

> - ... die Gründungsurkunde des Klosters Walsdorf ist nur in der ... bekannten Abschrift (Abt. 93, U1) vom Ende des 15. Jahrhunderts überliefert. Das Original ist verloren. Der maßgebliche Druck dieser Urkunde liegt vor im „Mainzer Urkundenbuch“ Bd. 2,1, bearbeitet von Peter Acht, Darmstadt 1968, Nr. 217 S. 392 ff. ..... Die Urkunde des Erzbischofs Arnold von Mainz aus dem Jahr 1156 nennt Gottfried von Beselich in der Zeugenreihe erstmals mit vollem Namen: Godefridus de Beslich. Damit wird der Ortsname Beselich nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand erstmals urkundlich genannt. < Freundliche Mitteilung von Herrn Dr. Hartmut Heinemann, Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, vom 20.09.1999 an Christof W. Martin.